Die Geschichte des Tees

 

 

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Die Wiege des Tees liegt in China. Dort wurde er bereits vor etwa 5000 Jahren kultiviert und als grüner Tee getrunken. Dieser diente lange Zeit nur als Arzneimittel. Seinen Zug um die Welt begann der Tee 552 n. Chr., als buddhistische Mönche ihn von China nach Japan brachten. Den langen Weg nach Europa schaffte der Tee erst 1610, als er durch die Holländisch-Ostindische-Compagnie über Amsterdam eingeführt wurde. Danach vergingen noch einmal 47 Jahre, bis in London das erste Teehaus seine Pforten öffnete.


Der Seeweg
Anfang des 17. Jahrhunderts führten die Niederländer den Tee als Genussmittel in Europa ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte die niederländische „Vereenigde Ostindische Compagnie“ ein Fernost-Monopol. Da die Holländer keinen Zugang zu den chinesischen Städten Kanton und Macao bekamen, betrieben sie ihren Handel mit China von Java aus. Von Batavia, dem heutigen Jakarta, aus gelang es den Holländern, die wirtschaftliche Vormachtstellung im Handel mit Tee, Gewürzen, Seide und Porzellan zu erlangen. Auf Segelschiffen brachten sie den Tee nach Amsterdam. Ab 1637 beauftragte die Holländisch-Ostindische-Compagnie den Generalgouverneur von Batavia, jedem Handelsschiff einige Kisten mit chinesischem und japanischem Tee beizupacken. Der Seeweg führte auf hochbordigen Karavellen um das Kap der Guten Hoffnung. Ab 1699 ging dann der Teehandel über das Meer auf die Britisch-Ostindische Compagnie über, die bis 1833 das China-Monopol innehatte.


Da die Reise von China oder Japan nach England sechs bis neun Monate dauerte, sich aber bei verspätetem Auslaufen durch widrige Monsunwinde auch um ein Jahr verzögern konnte, litt die Qualität des auf dem Seeweg nach Europa transportierten Tees erheblich. Hitze und Feuchtigkeit fügten dem Aroma des Tees großen Schaden
zu.


Nach dem Ende des China-Monopols 1834 und der Abschaffung des englischen transport2 "Navigation Act“ 1849, nach dem Waren aus Übersee nach Großbritannien nur auf englischen Schiffen eingeführt werden durften, bekam die britische Schifffahrt vor allem von den Amerikanern heftige Konkurrenz. Die Reisedauer musste also verkürzt  werden. Das wurde durch die Tee-Clipper erreicht, Segelschiffe mit vier oder mehr Masten, scharfem Bug und schlankem Rumpf. Sie besaßen verhältnismäßig große Ladekapazität bei niedriger Tonnage und erreichten hohe Geschwindigkeiten. Im Jahre 1866 kam ein britischer Tee-Clipper bereits nach 99 Tagen in England an. Der berühmteste der britischen Tee-Clipper ist die 1869 erbaute Cutty Sark, die heute noch in Greenwich an der Themse zu besichtigen ist. Mit Eröffnung des Sueskanals 1869 verkürzte sich der Weg zu den Tee- Anbaugebieten erheblich – nach Sri Lanka zum Beispiel um 7.000 km. Gleichzeitig wurde die Basis für den Teetransport auf Dampfschiffen geschaffen, die auf dieser Route genügend Möglichkeiten zum Bunkern von Kohle fanden. Das Ende der Clipper war gekommen, der Weg in das Zeitalter der modernen Handelsschifffahrt
begann.

Der Landweg
Auf dem beschwerlichen Landweg brachte im Jahre 1618 Wassili Storkow erstmals Tee nach Russland, als Gastgeschenk für den Zaren. Als russischer Gesandter ließ er von China aus 200 Pakete chinesischen Tee über den Karawanen-Handelsweg in die Mongolei mitgeben. Noch bis in das 19. Jahrhundert hatte der „russische“ Karawanentee eine angeblich bessere Qualität als der auf dem Seeweg beförderte Tee, der in feuchten, geteerten und dumpf riechenden Laderäumen gelagert wurde und entsprechend muffig schmeckte – einer der Gründe, weshalb man ihn zuckerte.

 

 

 

 

Der Tee-Weg nach Deutschland
transport1Über Holland kam der Tee Mitte des 17. Jahrhunderts nach Deutschland. Die unmittelbaren Nachbarn an der Nordseeküste, die Ostfriesen, gehörten zu den wichtigsten Handelspartnern. Selbst als die preußische Regierung auf Anordnung von König Friedrich II. den Ostfriesen 1778 den Teekonsum verbieten wollte, blieben die norddeutschen Küstenbewohner beharrlich. Die Tradition des Teetrinkens hat sich bis heute in Ostfriesland fortgesetzt  Nachdem dann England 1780 über die Niederlande eine Wirtschaftsblockade verhängte, erwarben viele holländische Kaufleute Bürgerrechte in den Hafenstädten Ostfrieslands. 300 holländische Handelsschiffe wurden umgeflaggt und löschten ihre Waren nun in Emden und anderen ostfriesischen Hafenstädten. Auch deutsche Kaufleute wie der Bremer Reeder Carl Philipp Cassel ließen von Emden aus Schiffe auf Ostindienfahrt gehen und profitierten damit vom Handel mit Ostindien. Zu dieser Zeit entdeckte auch die geistige, wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Elite Europas ihre Vorliebe für das Heißgetränk. Schopenhauer, Goethe, Schiller, Prinz Louis Ferdinand von Preußen und viele andere trafen sich in privaten Salons zu Teegesellschaften. Teetrinken war „en vogue“. Im frühen 19. Jahrhundert kam der Handel mit Tee und anderen Waren aus Ostindien auch außerhalb der Küstenregion in Schwung. Mit Aufhebung des „Navigation Act“, der besagte, dass Waren auf die britischen Inseln nur auf britischen Schiffen oder Schiffen des Erzeugerlandes importiert werden durften, schuf das englische Parlament 1849 die Voraussetzung, dass auch Schiffe der Hamburger und Bremer Reedereien ungehindert Handelsgüter dort anlanden konnten.


Die Ausweitung des Teeanbaus
Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts machte Tee den größten Anteil an den nach Europa verschifften Waren aus. Die Teeindustrie in ihrer modernen Form begann sich zwischen 1813 und 1838 in Nordostindien (Assam) zu entwickeln, da Japan seine Grenzen bereits seit 200 Jahren geschlossen hatte und auch mit dem China- Handel Schwierigkeiten auftraten. Ursprünglich wurden Samen aus China benutzt, später dann Samen aus Züchtungen, die aus dem Botanischen Garten von Kalkutta stammten.


Auf Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, begann der Teeanbau 1860 in größerem Maße. 1867 wurde auf vier Hektar Land Tee angebaut, 1870 betrug die Anbaufläche 5,75 ha und 1895 bereits 123,4 ha. Diese Steigerung ist vor allem auf die fast völlige Vernichtung der großen Kaffeeplantagen durch den Kaffeerostpilz zurückzuführen. Bis zu dieser Zeit wurde auf Sri Lanka der Kaffeeanbau in großem Umfang betrieben.


anderelaenderAuf Java fing der Teeanbau 1826 mit aus China importierten Samen an, wurde aber kein Erfolg. Dies änderte sich erst, als man 1878 damit begann, aus Indien
eingeführte Assam-Tee-Sträucher zu kultivieren. Nach einem ersten Versuch 1850 in Südafrika wurde zum ersten Mal 1878 in Malawi Tee angebaut, der allerdings nicht gedieh. Aber die Mission der Church of Scotland brachte aus den Royal Botanic Gardens Edinburgh 1886 und 1888 neue Samen. 1891 wurden die ersten Pflanzen aus diesen Samen angebaut. Um die Jahrhundertwende wurden versuchsweise die ersten Teepflanzen in Kenia (Limuru), Uganda (Entebbe) und Tansania (Amani) angebaut. Aber erst zwischen 1920 und 1930 begann dort die kommerzielle Entwicklung des Teeanbaus, der sich inzwischen - vor allem in Kenia - hervorragend entwickelt hat.
 

Boston Tea Party
Um gegen den vom englischen Parlament beschlossenen Teezoll zu protestieren, enterten am 16. Dezember 1773 Bürger der nordamerikanischen Stadt Boston in einer überraschenden Aktion drei im Hafen liegende englische Handelsschiffe und warfen deren aus 342 Kisten Tee bestehende Ladung über Bord. In England schüttelte man darüber den Kopf: Der Tee war trotz des neuen Zolls der billigste, den je englische Schiffe nach Amerika exportiert hatten. Die Aktion hatte also weniger einen finanziellen als vielmehr einen politischen Hintergrund. Die amerikanischen Kolonisten waren erbost darüber, dass der Zoll ohne ihre Zustimmung erhoben wurde. Sie erklärten: Wir zahlen seit alters her keinen Penny an Steuern oder Zöllen, den wir nicht selbst durch unsere Vertreter bewilligt haben: „No taxation without representation!“ Auch das Handelsmonopol, das die Briten mit dem Tea Act ihrer East India Company verschaffen wollten, empfanden die Siedler als Provokation. Im Tea Act versuchte das Ministerium unter Lord Frederick North, Tee in den Kolonien mit Gewalt zu vermarkten.


Der Tea Act sah im Wesentlichen vor, dass die Ostindien-Kompanie ein Monopol auf
alle Tee-Exporte in die Kolonien, einen Zugriff auf die Exportsteuern und eine Erstattung jener Steuern erhalten sollte, die die Kompanie für gewisse Überschussmengen von Tee eigentlich hätte zahlen müssen. Ausschließlich auf den Seglern der East India Company wurde der Tee transportiert. Im gerade erst entstehenden Land der unbegrenzten Möglichkeiten durfte Tee nur von Agenten der Ostindien-Kompanie verkauft werden. Die freiberuflichen kolonialen Schiffer und Kaufleute hatten das Nachsehen. Bei so massiver staatlicher Rückendeckung konnte die East India Company sowohl in England als auch in Amerika alle anderen Anbieter von Tee problemlos im Preis unterbieten. Diese aussichtslose Lage obrig- keitlicher Subvention brachte schließlich sogar die konservativen Bostoner  Geschäftsleute auf die Seite radikaler Anführer.


Der Streit spitzte sich zu. 1775 erklärte das englische Parlament die Nordamerikaner zu Rebellen. Die Regierung schickte Kriegsschiffe und verfügte die Schließung des Bostoner Hafens bis zur Zahlung von Schadensersatz. Diese Demonstration von Macht löste den allgemeinen Aufstand der amerikanischen Kolonien gegen Großbritannien aus. Dabei ging es den Kolonisten um weit mehr als nur um den Steuerstreit. Seit Generationen hatten sie sich dem Mutterland entfremdet. Das Erbe der Pilgerväter, das harte Siedlerleben, die Entfernung vom alten Europa hatte die Kolonisten zu selbstbewussten Verfechtern ihrer Freiheit gemacht. Aus dem Kampf um das Zollgesetz wurde ein Kampf um die Unabhängigkeit. Am 4. Juli 1776 verkündeten die Abgeordneten der 13 nordamerikanischen Kolonien die Lösung vom Mutterland. Mit der Unabhängigkeitserklärung sagten sie sich förmlich von der britischen Krone los. Das ließen sich die Engländer natürlich nicht so einfach gefallen: 1776 standen der englischen Besatzungsarmee von 32.000 Mann nur 8.000 bewaffnete Siedler unter der Führung von George Washington gegenüber. Doch die Siedler ließen sich nicht besiegen. Mit Hilfe von Offizieren aus Frankreich, Deutschland und Polen wurden die Kolonisten ausgebildet. Nach acht Kriegsjahren gab England 1783 auf und erkannte die Unabhängigkeit der 13 vereinigten Staaten an.